Vor der ersten Zeile Text stehen vier technische Entscheidungen: das Redaktionssystem, der Seitenbaukasten, das Theme und der Hosting-Anbieter.

Diese vier bestimmen, was Ihre Website später kann, wie schnell sie lädt und wie leicht Sie sie wieder verlassen können.

Der letzte Punkt klingt nebensächlich und ist der wichtigste, wie Sie weiter unten sehen.

Inhalt

Die erste Entscheidung: gemietet oder selbst betrieben

Alle Systeme fallen in zwei Gruppen, und diese Unterscheidung ist wichtiger als jedes Einzelmerkmal.

Ein selbst betriebenes System läuft auf einem Server, den Sie mieten, und die Software gehört Ihnen. WordPress, Joomla, Drupal, TYPO3.

Ein gemietetes System läuft beim Anbieter, und Sie zahlen monatlich für die Nutzung. Wix, Squarespace, Shopify.

Gemietete Systeme sind bequemer: Updates, Sicherheit und Server sind Sache des Anbieters, und Sie kommen ohne technische Kenntnisse zu einer ordentlichen Website.

Und nun der Punkt, der in den meisten Vergleichen fehlt.

Aus einem gemieteten System kommen Sie nicht ohne Verluste heraus.

Es gibt keinen vollständigen Export, den ein anderes System einlesen könnte, denn Aufbau und Gestaltung gehören dem Anbieter.

Wechseln Sie später, bauen Sie die Website neu.

Was passiert konkret, wenn der Preis steigt oder Ihnen eine Funktion fehlt?

Sie zahlen, oder Sie fangen von vorn an.

Bei einem selbst betriebenen System ziehen Sie Dateien und Datenbank um und sind beim nächsten Anbieter.

Achten Sie deshalb bei jedem gemieteten System auf zwei Dinge: dass die Domain auf Ihren Namen läuft und dass Sie Ihre Inhalte exportieren können.

Die Systeme im Überblick

Selbst betrieben

„WordPress“ ist das mit Abstand verbreitetste System, und das hat praktische Folgen, die wichtiger sind als jede Funktionsliste.

Zu jedem Problem gibt es eine Anleitung, zu jedem Wunsch eine Erweiterung, und Sie finden jederzeit jemanden, der Ihre Website übernehmen kann.

Genau das ist der Grund, warum wir fast alle Kundenprojekte mit WordPress umsetzen: Sie sind nicht von einem einzelnen Dienstleister abhängig.

Für die Suchmaschinenoptimierung erledigt eine Erweiterung wie „Yoast SEO“ die Grundarbeit, also Titel, Beschreibungen, Sitemap und Auszeichnungen.

„Joomla“ ist flexibel und erweiterbar und stark bei Websites mit vielen Inhalten und abgestuften Benutzerrechten.

Die Bedienung ist gewöhnungsbedürftiger, und es gibt deutlich weniger Dienstleister dafür.

„Drupal“ ist für große, komplexe Websites gebaut, mit sehr feiner Rechteverwaltung und guter Skalierbarkeit.

Für eine Firmenwebsite mit zehn Seiten ist es deutlich überdimensioniert.

„TYPO3“ ist im deutschsprachigen Raum der Klassiker bei großen Organisationen, Behörden und Konzernen.

Sehr leistungsfähig, und ohne Fachbetreuung praktisch nicht zu pflegen.

„Craft CMS“ ist modern und sehr frei gestaltbar, wird aber in der Regel von Entwicklern aufgebaut und nicht von Betreibern selbst.

„Ghost“ ist schlank und schnell und auf Publikationen und Newsletter zugeschnitten.

Für eine Firmenwebsite mit Leistungsseiten und Referenzen ist es die falsche Gattung.

Gemietet

„Wix“ arbeitet mit freiem Ziehen und Ablegen und braucht keine Vorkenntnisse.

Der Preis dafür ist weniger Freiheit im Detail und die Bindung an den Anbieter.

„Squarespace“ hat die besten Vorlagen von allen und ist die richtige Wahl, wenn es vor allem gut aussehen soll und wenig können muss.

„HubSpot“ lohnt sich, wenn Sie dort ohnehin Ihre Kundenverwaltung führen, denn dann greifen Website und Vertrieb ineinander.

„Shopify“ ist die naheliegende Wahl für einen Shop ohne eigene Technikabteilung: Zahlungsarten, Versand und Steuern sind vorbereitet.

„Magento“ ist das Gegenstück für große Händler mit eigenen Entwicklern und sehr speziellen Anforderungen.

Für den kleinen Shop nebenbei ist es der falsche Weg.

Und wenn Sie nur wenige Produkte verkaufen und ohnehin WordPress nutzen, ist ein Shop-Plugin oft ausreichend, statt ein zweites System daneben zu betreiben.

Was das System für die Sichtbarkeit bedeutet

Hier eine Richtigstellung, weil dieser Punkt regelmäßig falsch dargestellt wird.

Es wird oft behauptet, manche Systeme seien besser für Suchmaschinen als andere und verbesserten dadurch Ihre Platzierung.

Das trifft so nicht zu.

Google bewertet nicht Ihr System, sondern die ausgelieferte Seite.

Jedes der oben genannten Systeme kann sprechende Adressen, eigene Seitentitel, eigene Beschreibungen und eine Sitemap.

Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis, sondern im Aufwand, bis Sie dort sind.

Drei Dinge, die tatsächlich vom System abhängen.

  1. Wie frei Sie an die Feineinstellungen kommen. Bei gemieteten Systemen sind Adressstruktur und manche Kopfangaben festgelegt, und daran können Sie nichts ändern.
  2. Wie viel Ballast mitgeliefert wird. Ein überladenes Theme mit fünf Baukästen lädt langsam, und die Ladezeit wirkt tatsächlich auf Ihre Sichtbarkeit.
  3. Wie leicht Sie Inhalte pflegen können. Der größte Hebel überhaupt, denn Sichtbarkeit entsteht über Inhalte. Ein System, das Ihnen die Arbeit schwer macht, kostet Sie Beiträge, die Sie nie schreiben.

Die Wahl des Systems ist also eine Frage von Aufwand und Unabhängigkeit, nicht von Ranking.

Seitenbaukästen für WordPress

Ein Seitenbaukasten ist eine Erweiterung, mit der Sie Seiten sichtbar zusammensetzen, statt Code zu schreiben.

„Beaver Builder“

Sie installieren die Erweiterung über den Plugin-Bereich, aktivieren sie und können danach jede Seite und jeden Beitrag damit gestalten.

Der Ablauf: Element auswählen, an die gewünschte Stelle ziehen, bearbeiten, und Sie sehen die Änderung sofort.

Was dafür spricht.

  • Bedienung. Auch für Anfänger verständlich, mit Vorschau in Echtzeit.
  • Reichweite. Sie gestalten nicht nur Seiten, sondern auch Kopf- und Fußbereich.
  • Verträglichkeit. Arbeitet mit den meisten Themes und Erweiterungen zusammen. Der Punkt, an dem billigere Baukästen scheitern.
  • Darstellung auf allen Geräten ist von Haus aus dabei.

Was dagegen spricht.

  • Preis. Es gibt keine kostenlose Vollversion, die Lizenzen laufen jährlich und liegen im oberen Bereich. Prüfen Sie die aktuellen Stufen beim Hersteller, sie ändern sich regelmäßig.
  • Einarbeitung. Ein paar Stunden, bis alle Funktionen sitzen.
  • Gestaltungsumfang. Weniger fertige Vorlagen und Effekte als einige Wettbewerber, dafür schlankerer Code.

Die Alternativen

„Elementor“ ist der verbreitetste Baukasten, mit den meisten Vorlagen und Erweiterungen von Drittanbietern.

„Divi“ ist Theme und Baukasten in einem und bringt sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten mit.

„Thrive Architect“ kommt aus einer Sammlung von Werkzeugen, die auf Abschlüsse ausgelegt ist: Landingpages, Anmeldeformulare, Tests und Quizze.

Das ist die richtige Wahl, wenn Sie vor allem Adressen sammeln und verkaufen wollen, und übertrieben für eine gewöhnliche Firmenwebsite.

Der Anbieter setzt inzwischen auf ein Paket aus Erweiterungen statt auf eigene Themes, und der Zugang zum vollen Umfang ist entsprechend teuer.

Und eine Warnung, die für alle Baukästen gilt und nirgends in den Werbetexten steht.

Ihre Inhalte liegen anschließend in der Datensprache des Baukastens.

Schalten Sie ihn ab, sehen Sie auf Ihren Seiten keinen Text, sondern Kurzbefehle oder leere Flächen.

Der Wechsel von einem Baukasten zu einem anderen bedeutet deshalb, jede Seite neu zu bauen.

Entscheiden Sie sich also einmal und bleiben Sie dabei, und ziehen Sie für einfache Seiten den eingebauten Editor von WordPress in Betracht, denn der erzeugt keine solche Abhängigkeit.

Themes

Das Theme bestimmt das Aussehen und einen großen Teil der Ladezeit.

Es gibt zwei Gattungen, und die Verwechslung kostet später Zeit.

Schlanke Grundlagen-Themes

Diese Themes bringen absichtlich wenig mit und werden mit einem Baukasten kombiniert.

Sie sind schnell und stehen Ihnen nicht im Weg.

  • „Astra“. Leicht, sehr anpassbar, arbeitet mit allen großen Baukästen zusammen, von Blogs bis Shops.
  • „GeneratePress“. Bekannt für Geschwindigkeit. Die erste Wahl, wenn Ladezeit Ihr wichtigstes Kriterium ist.
  • „Neve“. Ebenfalls leicht und schnell, mit fertigen Website-Vorlagen als Ausgangspunkt.
  • „Hello Elementor“. Bewusst fast leer, gebaut für den Einsatz mit „Elementor“. Ohne diesen Baukasten nutzlos.
  • „OceanWP“. Flexibel mit Stärken im Shop-Bereich und guter Anbindung an „WooCommerce“.

Themes mit eigenem Baukasten

Diese bringen alles mit und binden Sie dafür an sich.

  • „Divi“. Eigener Baukasten, sehr viele Möglichkeiten, große Nutzergemeinde.
  • „Avada“. Eines der meistverkauften Themes überhaupt, mit sehr großem Funktionsumfang.
  • „Ultra“. Eigener Baukasten und viele fertige Demos zum Übernehmen.

Diese Gruppe ist bequem und schwer zu verlassen, aus demselben Grund wie bei den Baukästen: Ihre Inhalte hängen am Theme.

Themes für einen bestimmten Zweck

  • „Sydney“. Auf Firmenwebsites ausgelegt, mit umfangreichen Einstellungen für das Erscheinungsbild.
  • „Hestia“. Modern und geradlinig, mit Shop-Anbindung.
  • „Schema Lite“. Kostenlos, schnell, für Blogs und Magazine gebaut, mit dem Text im Mittelpunkt.
  • „Storefront“. Das offizielle Theme zu „WooCommerce“, entsprechend tief damit verzahnt.

Und die zwei Kriterien, auf die Sie bei jedem Theme achten sollten, unabhängig von der Gattung.

Wann wurde es zuletzt aktualisiert, und wie viele Installationen hat es?

Ein Theme, das zwei Jahre nicht gepflegt wurde, bricht beim nächsten größeren WordPress-Update, und dann sitzen Sie mit einer Website da, die niemand mehr reparieren kann.

Frameworks für Entwickler

Ein Framework ist eine Sammlung fertiger Bausteine für CSS und JavaScript, mit denen Entwickler Websites von Hand aufbauen.

Wichtig zur Einordnung: das ist eine andere Ebene als alles oben.

Wer WordPress nutzt, braucht kein Framework, denn Theme und Baukasten erledigen dessen Aufgabe.

Der Nutzen liegt in der Anpassung an alle Bildschirmgrößen, die sonst jedes Mal neu gelöst werden müsste.

Und das zählt doppelt, weil Google Websites in erster Linie in ihrer mobilen Fassung bewertet.

  • „Bootstrap“. Das bekannteste, ursprünglich bei Twitter entstanden und quelloffen. Fertige Bausteine für Navigation, Schaltflächen und Formulare, ein Rastersystem für Layouts, ausführliche Dokumentation. Der einfachste Einstieg, und man erkennt Bootstrap-Seiten oft an ihrem Aussehen.
  • „Foundation“. Von ZURB, flexibel und weit anpassbar, von der kleinen Seite bis zur Konzernwebsite.
  • „Bulma“. Kostenlos und quelloffen, auf Flexbox aufgebaut, schlank und modular. Angenehm für Einsteiger, weil es ohne JavaScript auskommt.
  • „Tailwind CSS“. Der Neuzugang, der sich durchgesetzt hat. Es liefert keine fertigen Bauteile, sondern kleine Bausteine, aus denen Sie eigene Gestaltung zusammensetzen. Höchste Freiheit, dafür mehr Aufwand und gute CSS-Kenntnisse nötig.
  • „Semantic UI“. Angenehm lesbare Schreibweise und viele Bauteile. Ein Hinweis dazu: die Entwicklung ist über die Jahre deutlich ruhiger geworden, prüfen Sie bei diesem und jedem anderen Framework, wann es zuletzt aktualisiert wurde.

Die Auswahl richtet sich nach Ihren Kenntnissen: für den Einstieg „Bootstrap“ oder „Bulma“, für größtmögliche Kontrolle „Tailwind CSS“.

Hosting

Der Server entscheidet über Ladezeit und Erreichbarkeit, und beides wirkt unmittelbar auf Ihre Besucher.

Drei deutsche Anbieter

„All-Inkl“ hat umfangreiche Pakete schon für wenige Euro im Monat: mehrere Domains inklusive, kostenloses Zertifikat, Mailkonten und Datenbanken dabei.

Gelobt wird vor allem der Support, und das ist bei einem Ausfall das, was zählt.

„Ionos“ bietet neben gewöhnlichen Paketen eigene WordPress-Tarife, im ersten Jahr oft eine kostenlose Domain, Zertifikat inklusive und durchgehend erreichbaren Kundendienst.

Achten Sie bei den vorkonfigurierten Tarifen darauf, welche Eingriffe gesperrt sind.

„Strato“ ist bei den Einsteigerpaketen besonders günstig, mit einer Domain und unbegrenztem Datenverkehr.

Prüfen Sie hier genau, ob das Zertifikat im Tarif enthalten oder ein Zusatzposten ist, denn das war in der Vergangenheit unterschiedlich geregelt.

Dazu kommen ausländische Anbieter wie „SiteGround“, „Bluehost“ und „HostGator“, die technisch gut sind, bei denen Sie aber mit englischsprachigem Support und Servern außerhalb Deutschlands rechnen.

Worauf Sie wirklich achten sollten

Der Preis ist das am wenigsten wichtige Kriterium, weil die Unterschiede bei wenigen Euro im Monat liegen.

  1. Standort der Server. Innerhalb der EU erspart Ihnen das Fragen zur Datenübermittlung.
  2. Aktuelle PHP-Version, selbst umschaltbar. Ein Anbieter, der Sie auf einer alten Version festhält, wird Ihnen in zwei Jahren zum Problem.
  3. Backups auf Serverebene, und die Möglichkeit, selbst zurückzuspielen.
  4. Erreichbarer Support in Ihrer Sprache. Das merken Sie erst, wenn die Website steht, und dann ist es das einzige Kriterium.
  5. Genug Datenbanken und Mailkonten für Ihre Pläne, denn hier sparen billige Tarife.
  6. Eine Testumgebung auf Knopfdruck, falls Sie Updates vorher prüfen wollen.

Ein Wort zu Vergleichsseiten

Es gibt Portale, die Hosting-Anbieter vergleichen, Foren mit Erfahrungsberichten und Werkzeuge, die zeigen, wo eine bestimmte Website liegt.

Alle drei sind nützlich, und bei den Vergleichsportalen gehört eine Einordnung dazu.

Diese Seiten verdienen in der Regel an Vermittlungsprovisionen, und die Rangfolge folgt häufig der Höhe dieser Provision.

Nutzen Sie sie für den Überblick über Leistungen, nicht für die Empfehlung.

Aussagekräftiger ist eine einfache Probe: fragen Sie den Support vor dem Vertragsabschluss etwas, und sehen Sie, wie schnell und wie brauchbar die Antwort kommt.

Fazit

Für eine gewöhnliche Firmenwebsite ist die Antwort unspektakulär: WordPress, ein schlankes Theme, ein Baukasten, bei dem Sie bleiben, und ein Anbieter mit Servern in der EU und erreichbarem Support.

Das System entscheidet nicht über Ihre Platzierung, sondern darüber, wie leicht Sie daran arbeiten können.

Prüfen Sie bei jedem Theme und jeder Erweiterung, wann sie zuletzt aktualisiert wurde.

Und stellen Sie sich vor jeder dieser vier Entscheidungen eine Frage: wie komme ich hier wieder heraus, wenn es nicht passt?

Lässt sich das nicht beantworten, ist es keine Entscheidung, sondern eine Bindung, und damit haben Sie Ihr wichtigstes Auswahlkriterium!