Eine Website ist nie fertig.
Das ist keine Verkaufsfloskel, sondern eine technische Tatsache: WordPress, Ihre Plugins, Ihr Theme, PHP und der Browser Ihrer Besucher entwickeln sich alle weiter, Ihre Website steht still.
Nach zwölf Monaten ohne Pflege haben Sie deshalb keine unveränderte Website, sondern eine mit bekannten Sicherheitslücken.
Dieser Beitrag zeigt Ihnen, was zur Wartung gehört, in welcher Reihenfolge Sie vorgehen und wo die Fehler passieren, die Websites tatsächlich lahmlegen.
Inhalt
- Backups: das Sicherheitsnetz
- Warum Updates keine Kür sind
- Die richtige Reihenfolge beim Aktualisieren
- Inhalte pflegen, ohne einem Mythos zu folgen
- SEO im laufenden Betrieb
- Die 404-Seite: aus dem Fehler etwas machen
- Ein realistischer Wartungsplan
- Fazit
Backups: das Sicherheitsnetz
Stellen Sie sich vor, Sie rufen morgens Ihre Website auf und sehen eine weiße Seite.
Kein Text, kein Bild, nur weiß.
Ohne Backup ist das ein Projekt von mehreren Tagen, mit Backup eine Angelegenheit von zwanzig Minuten.
Brauchbare Werkzeuge sind „UpdraftPlus“, „Duplicator“ und „Jetpack VaultPress Backup“, und bei vielen Anbietern gibt es zusätzlich ein Backup auf Serverebene.
Drei Punkte entscheiden darüber, ob Ihr Backup im Notfall wirklich hilft.
- Dateien und Datenbank zusammen. Ein Backup nur der Dateien enthält Ihre Beiträge nicht, die stehen in der Datenbank. Ein Backup nur der Datenbank enthält Ihre Bilder nicht. Sie brauchen beides aus demselben Zeitpunkt.
- Nicht auf demselben Server. Ein Backup, das im Verzeichnis Ihrer Website liegt, ist bei einem Serverschaden oder einem Angriff genauso weg wie die Website. Lassen Sie die Sicherungen in einen externen Speicher schreiben.
- Einmal testweise wiederherstellen. Das ist der Punkt, der fast immer übersprungen wird. Ein Backup, das noch nie zurückgespielt wurde, ist eine Vermutung und keine Sicherung.
Wie oft gesichert werden muss, hängt davon ab, wie viel Arbeit Sie verlieren dürfen.
Bei einer Firmenwebsite, die sich selten ändert, genügt wöchentlich.
Bei einem Shop mit laufenden Bestellungen ist täglich das Minimum, denn jede verlorene Stunde ist eine verlorene Bestellung.
Warum Updates keine Kür sind
Vier Gründe, und der erste ist der einzige, der wirklich zählt.
Sicherheitslücken werden öffentlich
Das ist der Teil, den die meisten falsch einschätzen.
Wenn ein Plugin-Hersteller eine Lücke schließt, wird diese Lücke anschließend veröffentlicht, damit Betreiber wissen, dass sie handeln müssen.
Damit wissen es aber auch alle anderen, und automatisierte Angriffe suchen danach gezielt nach Websites, die das Update nicht eingespielt haben.
Ein veraltetes Plugin ist deshalb nicht einfach alt, sondern eine dokumentierte, offene Tür.
Und diese Angriffe suchen nicht Ihre Firma, sie suchen die Lücke, weshalb auch eine kleine Website ohne Bekanntheit betroffen ist.
Stabilität und Ladezeit
Veraltete Erweiterungen erzeugen Fehlermeldungen, Darstellungsfehler und bremsen die Seite.
Oft merken Sie es selbst nicht, weil eingeloggte Nutzer andere Inhalte ausgeliefert bekommen als Gäste.
Verträglichkeit mit WordPress und PHP
Jede neue WordPress-Version ändert Kleinigkeiten im Unterbau, und dasselbe gilt für neue PHP-Versionen bei Ihrem Anbieter.
Ein Plugin, das seit drei Jahren nicht angepasst wurde, fällt irgendwann aus, und zwar ohne Vorwarnung.
Schauen Sie deshalb nicht nur auf verfügbare Updates, sondern auch auf das Datum der letzten Aktualisierung eines Plugins.
Ein Plugin ohne Pflege seit zwei Jahren ersetzen Sie besser, statt darauf zu warten, dass es bricht.
Neue Funktionen
Der schwächste der vier Gründe, aber vorhanden.
Manches Update spart Ihnen anschließend ein weiteres Plugin, weil die Funktion mitgeliefert wird.
Die richtige Reihenfolge beim Aktualisieren
Updates sind nicht risikofrei, deshalb gibt es eine Reihenfolge.
- Backup erstellen. Und zwar unmittelbar vorher, nicht das von letzter Woche. Wenn ein Update die Seite zerlegt, ist das Ihr einziger Rückweg.
- Einzeln aktualisieren, nicht alles auf einmal. Bricht nach zwölf gleichzeitigen Updates die Seite, wissen Sie nicht, welches davon schuld war. Einzeln dauert länger und spart im Fehlerfall Stunden.
- Nach jedem Schritt die Website ansehen. Und zwar als Gast im privaten Fenster, nicht eingeloggt. Prüfen Sie Startseite, eine Leistungsseite und das Kontaktformular.
- Theme zuletzt. Ein Theme-Update ist der riskanteste Schritt, weil dabei Anpassungen verloren gehen können.
Genau hier die wichtigste Warnung dieses Beitrags: haben Sie Änderungen direkt am Theme vorgenommen und es existiert kein Child-Theme, sind diese Änderungen nach dem nächsten Theme-Update weg.
Nicht beschädigt, sondern überschrieben und nicht wiederherstellbar, außer aus dem Backup.
Prüfen Sie das einmal, bevor Sie zum ersten Mal ein Theme aktualisieren.
Und schalten Sie automatische Updates mit Bedacht ein: für WordPress selbst und für sicherheitsrelevante Erweiterungen sind sie sinnvoll, für ein Theme oder einen Seitenbaukasten sind sie eine Wette darauf, dass niemand hinsieht, wenn etwas schiefgeht.
Inhalte pflegen, ohne einem Mythos zu folgen
Inhalte veralten schneller als Technik.
Alte Öffnungszeiten, ein ausgeschiedener Mitarbeiter, ein Angebot von vorletztem Jahr, eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt.
Das kostet Sie unmittelbar Anfragen, unabhängig von jeder Suchmaschine.
An dieser Stelle müssen wir einen weit verbreiteten Satz gerade rücken.
Man liest überall, Google bevorzuge Websites, die regelmäßig aktualisiert werden.
So allgemein ist das falsch.
Aktualität wirkt vor allem bei Suchanfragen, bei denen sie sachlich eine Rolle spielt, etwa bei Preisen, Gesetzeslagen oder Software-Versionen.
Bei einer Frage, deren Antwort sich nicht ändert, bringt ein neues Datum überhaupt nichts.
Was wirkt, ist die Überarbeitung selbst, wenn die Seite dadurch tatsächlich besser wird.
Ein Datum zu ändern, ohne den Text anzufassen, ist deshalb verschwendete Zeit.
Und zehn dünne neue Beiträge pro Monat schaden Ihnen mehr, als sie helfen, weil sie den Gesamteindruck Ihrer Website nach unten ziehen.
SEO im laufenden Betrieb
Suchmaschinenoptimierung ist kein Projekt mit Enddatum, sondern gehört in die Wartung.
Drei Dinge, die Sie regelmäßig prüfen sollten, jeweils in wenigen Minuten.
- Die Indexierung. In der Google Search Console sehen Sie, welche Seiten aufgenommen wurden und welche nicht. Eine wichtige Seite, die dort unter „nicht indexiert“ steht, existiert für Google praktisch nicht.
- Defekte Links. Verweise auf gelöschte eigene Seiten und auf fremde Seiten, die es nicht mehr gibt. Sie entstehen von selbst, einfach dadurch, dass sich andere Websites ändern.
- Die Ladezeit. Sie verschlechtert sich schleichend mit jedem neuen Plugin und jedem neuen Bild. Messen Sie einmal im Quartal, sonst bemerken Sie die Verschlechterung erst, wenn sie deutlich ist.
Die 404-Seite: aus dem Fehler etwas machen
Eine 404-Seite erscheint, wenn ein Besucher eine Adresse aufruft, die es nicht gibt.
Das passiert öfter, als Betreiber denken: durch alte Links von fremden Seiten, durch Tippfehler, durch eigene gelöschte Beiträge.
Warum sich die Arbeit daran lohnt?
Weil der Besucher in diesem Moment bereits auf Ihrer Website ist und Sie ihn nur noch weiterleiten müssen, statt ihn neu zu gewinnen.
Erstellen Sie die Seite mit Ihrem Seitenbaukasten oder mit einem Plugin, das die 404-Ausgabe ersetzen kann.
Diese sechs Elemente gehören hinein.
1. Eine klare Ansage
Der Besucher muss in einem Satz verstehen, dass die Seite nicht existiert, und zwar ohne Fehlercode-Sprache.
2. Eine Suchfunktion
Damit findet er selbst, was er eigentlich wollte.
3. Sichtbare Navigation
Startseite, Leistungen und Kontakt müssen von hier aus erreichbar sein.
4. Ein Kontaktweg
Telefonnummer oder E-Mail direkt auf der Fehlerseite, weil ein Teil der Besucher an dieser Stelle lieber fragt als sucht.
5. Ihr eigenes Design
Die Fehlerseite muss aussehen wie Ihre Website, sonst denkt der Besucher, er sei gar nicht mehr bei Ihnen.
6. Wenige passende Verweise
Drei bis vier sinnvolle Ziele, nicht zwanzig.
Eine Auswahl, die überfordert, wird gar nicht genutzt.
Und nun der technische Teil, der in fast jeder Anleitung fehlt und der aus SEO-Sicht der wichtigste ist.
Ihre Fehlerseite muss auch technisch den Status 404 zurückgeben.
Manche Plugins und Baukästen liefern eine hübsche Fehlerseite aus, melden dem Browser dabei aber „alles in Ordnung“.
Die Folge: Google nimmt jede falsch geschriebene Adresse als echte Seite in den Bestand auf und Sie sammeln beliebig viele identische Seiten ohne Inhalt.
Und leiten Sie nicht pauschal alle nicht gefundenen Adressen auf die Startseite um.
Der Besucher landet dann irgendwo, ohne zu erfahren, dass sein Ziel nicht existiert, und Google bewertet solche Umleitungen wie eine Fehlerseite, nur unübersichtlicher.
Eine gezielte Umleitung auf die passende Nachfolgeseite ist dagegen genau richtig, wenn Sie eine Seite tatsächlich ersetzt haben.
Ein realistischer Wartungsplan
Wartung scheitert nicht am Können, sondern daran, dass sie niemandem gehört.
Deshalb hier ein Plan, der ohne große Vorkenntnisse durchführbar ist.
- Wöchentlich: Backup läuft, Updates einspielen, Website als Gast kurz ansehen, Kontaktformular einmal absenden.
- Monatlich: Search Console auf neue Fehler prüfen, defekte Links suchen, Inhalte auf Richtigkeit durchgehen.
- Vierteljährlich: Ladezeit messen, ungenutzte Plugins und Themes löschen statt nur deaktivieren, Backup einmal testweise wiederherstellen, PHP-Version prüfen.
- Jährlich: Impressum und Datenschutzerklärung gegen die tatsächlich eingesetzten Werkzeuge abgleichen, Passwörter erneuern, alte Zugänge entfernen.
Der Punkt mit dem Löschen statt Deaktivieren wird oft überlesen.
Ein deaktiviertes Plugin liegt weiterhin als Datei auf dem Server, wird nicht mehr aktualisiert und bleibt damit angreifbar.
Deaktivieren ist keine Entsorgung.
Wer das nicht selbst übernehmen will, gibt die Wartung ab, und genau dafür gibt es unsere Website-Wartung.
Fazit
Wartung besteht aus vier Bausteinen: Backup, Updates, Inhalte, Sichtbarkeit.
Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar, das Backup kommt immer vor dem Update.
Prüfen Sie einmal, ob ein Child-Theme existiert, und spielen Sie ein Backup einmal probehalber zurück, damit Sie wissen, dass es funktioniert.
Sollte Ihre Website nach einem Update weiß bleiben, ist das fast immer ein Fehler in einem Plugin oder im Theme.
Benennen Sie dann über den Dateizugriff Ihres Anbieters den Plugin-Ordner um, dann schaltet WordPress alle Plugins ab und Sie kommen wieder in den Adminbereich.
Von dort aktivieren Sie eines nach dem anderen, bis der Fehler wieder auftritt, und haben den Schuldigen!

