Wer zum ersten Mal eine Website bauen lässt, steht vor einem Berg aus Begriffen und Entscheidungen.

Dieser Beitrag räumt ihn auf: was eine Website Ihrem Betrieb bringt, welche Arten es gibt, wer daran arbeitet, wie die Planung läuft, worauf Sie achten müssen und wann eine Erneuerung tatsächlich fällig ist.

Inhalt

Warum ein Betrieb eine Website braucht

Die kürzeste Begründung: Ihre Kunden suchen inzwischen zuerst im Netz, auch nach Handwerkern, Praxen und Restaurants.

Wer dort nicht auftaucht, existiert für diese Suche nicht.

  1. Erreichbarkeit rund um die Uhr. Wer abends um elf Ihre Öffnungszeiten oder Ihre Leistungen sucht, findet sie, ohne dass jemand am Telefon sitzt.
  2. Glaubwürdigkeit. Ein Betrieb ohne Website wirkt heute unvollständig, und eine veraltete Website wirkt schlechter als keine. Der Vergleich findet ohnehin statt, die Frage ist nur, wie Sie dabei aussehen.
  3. Kunden gewinnen und halten. Leistungen zeigen, Bewertungen sichtbar machen, Anfragen einfach machen.
  4. Ein Ort für Ihr Marketing. Alles, was Sie sonst tun, Anzeigen, soziale Netzwerke, Empfehlungen, endet irgendwann auf Ihrer Website.
  5. Günstiger als klassische Werbung. Eine Anzeige im Wochenblatt ist nach einer Woche weg, eine gut gemachte Leistungsseite bringt jahrelang Anfragen.

Ein Punkt, der in solchen Aufzählungen meist steht und für die meisten Betriebe unwichtig ist: die globale Reichweite.

Ein Dachdecker braucht keine Besucher aus Kanada.

Für Sie zählt die Reichweite in Ihrem Einsatzgebiet, und die erreichen Sie über andere Mittel als weltweite Sichtbarkeit.

Die Arten von Websites

Welche Art Sie brauchen, entscheidet über Umfang, Preis und Technik.

  • Die Firmenwebsite. Leistungen, Referenzen, Über uns, Kontakt. Für die große Mehrheit der Betriebe die richtige und ausreichende Antwort.
  • Der Online-Shop. Produktlisten, Warenkorb, Zahlung, Versand. Deutlich aufwendiger, laufend zu pflegen und mit eigenen rechtlichen Pflichten verbunden.
  • Blog und Inhaltsseite. Regelmäßige Beiträge, die Fragen beantworten. Kein eigener Website-Typ für einen Betrieb, sondern ein Teil der Firmenwebsite, der Sichtbarkeit bringt.
  • Die Portfolio-Website. Für Fotografen, Gestalter, Handwerk mit sichtbarem Ergebnis. Die Arbeiten stehen im Mittelpunkt, der Text ist Beiwerk.
  • Gemeinschaft und Netzwerk. Foren und Plattformen, auf denen die Nutzer selbst die Inhalte liefern. Technisch anspruchsvoll und mit Aufwand für Moderation.
  • Landingpage. Eine einzelne Seite mit einem einzigen Ziel, etwa eine Anmeldung. Sinnvoll als Ergänzung zu einer Werbekampagne, nicht als Ersatz für die Website.
  • Lernplattform. Kurse, Anleitungen, Zugänge für Teilnehmer. Für Betriebe interessant, die Schulungen anbieten.

Der häufigste Fehler an dieser Stelle: es wird ein Shop gebaut, weil es irgendwann vielleicht passen könnte.

Damit zahlen Sie für Technik, die Sie pflegen müssen und nicht nutzen.

Webdesign und Webentwicklung

Zwei Berufe, die oft in einen Topf geworfen werden.

Der Unterschied ist praktisch relevant, weil Sie je nach Vorhaben den einen oder den anderen brauchen.

Webdesign

Zuständig für das Aussehen und die Bedienung: Aufbau der Seiten, Farben, Schriften, Anordnung der Elemente.

Dazu die Nutzerführung, also die Frage, ob ein Besucher intuitiv findet, was er sucht.

Gearbeitet wird mit Gestaltungsprogrammen und mit Werkzeugen für Entwürfe, heute überwiegend „Figma“.

Webentwicklung

Zuständig für die Funktion: aus dem Entwurf wird eine Website, die lädt, rechnet und Daten verarbeitet.

Gearbeitet wird mit HTML, CSS und JavaScript für die sichtbare Seite und mit Sprachen wie PHP für den Teil, der auf dem Server läuft.

Dazu Datenbanken, Schnittstellen, Sicherheit und, bei größeren Projekten, Bausätze wie „Bootstrap“ oder Systeme wie „React“.

Und was das für Sie bedeutet.

Eine gewöhnliche Firmenwebsite auf WordPress braucht in der Regel keinen Entwickler, denn das System und ein Theme übernehmen den technischen Teil.

Sobald eine eigene Funktion dazukommt, eine Anbindung an Ihre Warenwirtschaft oder ein Kundenbereich, brauchen Sie einen.

Fragen Sie deshalb bei einem Angebot, wer welchen Teil macht.

Was ein Webdesigner tut

Fünf Aufgaben, und die Reihenfolge sagt etwas über ihren Wert für Sie.

  1. Aufbau der Seiten. Was steht wo, in welcher Reihenfolge, mit welchem Gewicht. Der Teil, der über Anfragen entscheidet.
  2. Nutzerführung. Aus der Sicht des Besuchers denken, nicht aus der eigenen. Ein Menü, das Ihre Firmenstruktur abbildet, hilft niemandem.
  3. Darstellung auf allen Geräten. Nicht mehr verhandelbar, weil der größere Teil Ihrer Besucher mit dem Handy kommt.
  4. Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung. Saubere Überschriftenstruktur, eigene Titel und Beschreibungen, Bilder mit Alternativtext. Wer eine Website baut, ohne das mitzudenken, baut eine Seite, die niemand findet.
  5. Technisches Grundverständnis. Kein Muss, aber hilfreich, weil Gestaltung und Umsetzbarkeit zusammenhängen.

An Fähigkeiten gehören dazu: Umgang mit Gestaltungsprogrammen, Erfahrung mit dem eingesetzten System, Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung.

Und, wichtiger als alles Technische, die Fähigkeit zu erklären.

Wer Ihnen nicht in zwei Sätzen sagen kann, warum eine Schaltfläche dort sitzt, wo sie sitzt, hat keine Entscheidung getroffen, sondern eine Vorlage übernommen.

Die Website planen

Vor dem ersten Entwurf stehen drei Fragen, und ohne Antworten darauf wird jede Website eine Broschüre.

Wen wollen Sie erreichen?

Nicht als Zielgruppenbeschreibung, sondern konkret: welche Frage tippt dieser Mensch bei Google ein.

Was soll passieren?

Anruf, Formular, Terminbuchung, Besuch im Laden.

Genau eines davon ist Ihr Hauptziel, und darauf richtet sich jede Seite aus.

Was muss der Besucher wissen, bevor er das tut?

Diese Frage ist der beste Bauplan, den es gibt.

Notieren Sie die fünf Fragen, die Ihnen Kunden am Telefon immer stellen, und Sie haben Ihre Seitenstruktur.

Die Website bauen

Zuerst die Entscheidung für das System: ein selbst betriebenes wie WordPress oder ein gemieteter Baukasten wie „Wix“ oder „Squarespace“.

Der Unterschied, der bleibt: aus einem gemieteten System kommen Sie nicht ohne Neubau heraus, weil es keinen vollständigen Export gibt.

Danach folgen vier Schritte.

  1. Theme auswählen. Passend zu Ihrem Auftreten, und vor allem schlank. Prüfen Sie, wann es zuletzt aktualisiert wurde.
  2. Seiten und Menü anlegen. Wenige, klar benannte Punkte. Wer eine Seite in drei Klicks nicht findet, findet sie nicht.
  3. Inhalte einsetzen. Texte, Bilder, gegebenenfalls Videos. Und hier liegt die eigentliche Arbeit: Texte sind der Teil, an dem Projekte hängen bleiben, nicht die Technik.
  4. Für Suchmaschinen herrichten. Je Seite ein eigener Titel, eine eigene Beschreibung und ein Zielbegriff. Nicht zwei Seiten auf denselben Begriff, sonst konkurrieren Ihre eigenen Seiten gegeneinander.

Die zehn Punkte, die jede Website erfüllen muss

  1. Ein klares Ziel. Jede Seite hat einen Zweck und einen nächsten Schritt.
  2. Bedienbarkeit. Verständliche Menüpunkte, sichtbare Kontaktdaten, keine Rätsel.
  3. Darstellung auf dem Handy. Auf einem echten Gerät prüfen, nicht im verkleinerten Browserfenster.
  4. Inhalt, der Fragen beantwortet. Nutzen statt Selbstbeschreibung, und Rechtschreibung ernst nehmen, denn Fehler kosten Vertrauen.
  5. Grundlagen der Sichtbarkeit. Eigene Titel und Beschreibungen, sprechende Adressen, sinnvolle interne Verweise.
  6. Ladezeit. Bilder verkleinern und im Format WebP ausliefern, einen Cache einsetzen, unnötige Erweiterungen löschen.
  7. Sicherheit. Updates einspielen, ordentliche Passwörter, Zwei-Faktor-Anmeldung, verschlüsselte Verbindung.
  8. Datenschutz. Datenschutzerklärung, die Ihre tatsächlich eingesetzten Werkzeuge benennt, Impressum, und nichts, was vor der Zustimmung von fremden Servern lädt.
  9. Barrierefreiheit. Klare Struktur, Alternativtexte auf Bildern, ausreichender Kontrast, Bedienbarkeit mit der Tastatur. Bisher galt das als guter Stil. Inzwischen gibt es dazu gesetzliche Anforderungen, die bestimmte Dienstleistungen und Online-Shops treffen, Kleinstunternehmen in Teilen ausgenommen. Ob Sie darunter fallen, klären Sie mit einem Anwalt, denn wir sind Webdesigner und keine Rechtsanwälte.
  10. Laufende Pflege. Inhalte aktuell halten, Updates einspielen, Formulare testen.

Ein Hinweis zur Barrierefreiheit, unabhängig von jeder Pflicht: die Maßnahmen nützen allen.

Guter Kontrast hilft auch dem Besucher, der in der Sonne auf sein Handy schaut, und Alternativtexte helfen Suchmaschinen, Ihre Bilder zu verstehen.

Testen und veröffentlichen

Prüfen Sie vor dem Start auf mehreren Geräten und in mehreren Browsern, und lassen Sie jemanden draufschauen, der das Projekt nicht kennt.

Diese Person findet in fünf Minuten, was Sie nach vier Wochen nicht mehr sehen.

Vier Dinge, die vor dem Start abgehakt sein müssen.

  • Eine echte Testanfrage absenden und prüfen, ob sie ankommt und nicht im Spam landet.
  • Alle Seiten als Gast im privaten Fenster aufrufen, denn eingeloggt sehen Sie eine andere Fassung.
  • Die Telefonnummer auf dem Handy antippen, ob der Anruf startet.
  • Die Website bei der Google Search Console anmelden und die Sitemap einreichen, damit Ihre Seiten überhaupt gefunden werden.

Und dann der Satz, den niemand hören will: mit der Veröffentlichung fängt die Arbeit an.

Eine Website ist kein Werkstück, das fertig wird, sondern ein Schaufenster, das gepflegt werden muss.

Sichtbarkeit über die Website hinaus

Ihre Website ist der Mittelpunkt, aber nicht das Ganze.

Dazu gehören die Suchmaschinenoptimierung, ein gepflegtes Unternehmensprofil bei Google, ein Kanal in einem sozialen Netzwerk, Inhalte, die Fragen beantworten, E-Mail an bestehende Kunden und, wenn Budget da ist, Anzeigen.

Der Aufbau läuft in fünf Schritten: Ziel festlegen, Zielgruppe benennen, Vorgehen bestimmen, umsetzen, messen und nachsteuern.

Und die ehrliche Einordnung für einen kleinen Betrieb: nehmen Sie nicht alle Kanäle.

Ein gepflegtes Unternehmensprofil mit echten Bewertungen bringt Ihnen mehr als vier halbherzig bespielte Netzwerke.

Und ein verwaistes Profil, dessen letzter Beitrag zwei Jahre alt ist, wirkt wie ein geschlossener Laden.

Wann ein neues Design fällig ist

Hier steht in Ratgebern gern, das Design solle alle paar Jahre erneuert werden.

Das ist bequem für den Anbieter und für Sie selten richtig.

Erneuern Sie, wenn es einen Grund gibt, und nicht nach Kalender.

Diese Gründe zählen.

  • Die Seite funktioniert auf dem Handy nicht. Der stärkste Grund von allen, weil dort die meisten Besucher ankommen.
  • Sie ist zu langsam und lässt sich nicht sinnvoll beschleunigen, weil das Theme zu schwer ist.
  • Das Angebot hat sich geändert. Die Website beschreibt, was Sie vor fünf Jahren gemacht haben.
  • Sie kommen nicht mehr selbst hinein. Technik, die niemand mehr wartet, und Zugänge, die niemand mehr hat.
  • Es kommen Besucher, aber keine Anfragen. Dann liegt es an der Seite, und eine Überarbeitung lohnt sich messbar.

Und eine Warnung, die mehr wert ist als der ganze Abschnitt.

Eine Neugestaltung kann Ihre Sichtbarkeit vernichten.

Das passiert, wenn dabei Adressen wechseln und die alten nicht weitergeleitet werden, oder wenn Texte, die gerankt haben, gekürzt werden, weil sie im neuen Layout zu lang aussehen.

Halten Sie deshalb vor jeder Neugestaltung fest, welche Seiten heute Besucher aus der Suche bekommen, und sorgen Sie dafür, dass diese Adressen und diese Inhalte erhalten bleiben.

Ein Design, das schöner ist und keine Anfragen bringt, ist kein Fortschritt.

Web 1.0 bis Web 4.0

Diese Begriffe fallen gelegentlich, deshalb kurz erklärt.

Web 1.0 war das statische Web der 1990er Jahre: feste Seiten, die man lesen konnte und sonst nichts.

Web 2.0 kam Mitte der 2000er Jahre und bezeichnet das mitmachbare Web.

Aus Lesern wurden Autoren: Kommentare, Bewertungen, soziale Netzwerke, Videoplattformen, Wikis, gemeinsames Arbeiten an Dokumenten.

Wichtig dabei: Web 2.0 war keine neue Technik, sondern ein Wandel in der Nutzung.

Web 3.0 ist doppelt belegt, und daran scheitern viele Erklärungen.

Ursprünglich bezeichnete es das semantische Web, also die Idee, dass Maschinen Inhalte inhaltlich verstehen.

Heute meinen die meisten damit das dezentrale Web mit Blockchain und Kryptowährungen, was etwas völlig anderes ist.

Fragen Sie also nach, welche Bedeutung gemeint ist.

Web 4.0 ist eine Vision, kein Zustand.

Beschrieben wird ein Web, in dem Mensch und Maschine eng zusammenarbeiten, mit künstlicher Intelligenz, vernetzten Geräten und Systemen, die auf natürliche Sprache reagieren.

Und hier der ehrliche Teil: für diesen Begriff gibt es keine feste Definition, und er wird vor allem in Marketingtexten verwendet.

Was tatsächlich passiert, sind einzelne konkrete Entwicklungen, etwa dass Suchmaschinen Antworten direkt anzeigen statt nur Links.

Das ist die Veränderung, die Ihren Betrieb betrifft, und nicht eine Nummer im Namen.

Praktische Folge daraus: eine Website, die Fragen klar und vollständig beantwortet, funktioniert auch dann, wenn eine Suchmaschine die Antwort direkt vorliest.

Fazit

Beantworten Sie vor dem ersten Entwurf drei Fragen: wen Sie erreichen wollen, was passieren soll und was der Besucher vorher wissen muss.

Danach ist der Rest Handwerk: ein schlankes Theme, wenige klare Seiten, eigene Texte, saubere Titel, geprüftes Formular.

Erneuern Sie das Design aus einem Grund und nicht nach Kalender, und sichern Sie dabei Adressen und rankende Inhalte.

Sollten Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben die fünf Fragen auf, die Ihnen Kunden am Telefon stellen.

Jede dieser Fragen ist eine Seite Ihrer Website, und damit steht Ihre Struktur, bevor Sie einen Cent ausgegeben haben!