Werkzeuglisten im Internet haben ein Problem: sie zählen zehn Programme auf und sagen nicht, für wen welches gedacht ist.

Dieser Beitrag geht vier Bereiche durch, Grafik, Logo, Projektverwaltung und E-Mail-Marketing, und nennt bei jedem Programm den Fall, in dem es passt, und den Fall, in dem es nicht passt.

Ein Hinweis vorweg, der Ihnen Ärger erspart: prüfen Sie bei jedem Werkzeug aus einer solchen Liste, ob es heute noch angeboten wird.

Gerade kostenlose Dienste werden regelmäßig eingestellt oder von größeren Anbietern übernommen.

Inhalt

Grafikprogramme für den Einstieg

Bevor Sie irgendetwas installieren, müssen Sie eine Frage beantworten.

Arbeiten Sie mit Pixeln oder mit Vektoren?

Pixelprogramme bearbeiten Fotos, Vektorprogramme zeichnen Formen, die sich beliebig vergrößern lassen, ohne unscharf zu werden.

Für Fotobearbeitung brauchen Sie ein Pixelprogramm, für Logos zwingend ein Vektorprogramm.

Wer das verwechselt, hat ein Logo, das auf einem Firmenschild ausfranst.

Kostenlos

„GIMP“ ist die bekannteste kostenlose Alternative für Fotobearbeitung und deckt fast alles ab, was ein kleiner Betrieb braucht.

Der Preis dafür ist die Bedienung, die eigenwillig ist und ein paar Stunden Einarbeitung kostet.

„Inkscape“ ist das kostenlose Gegenstück für Vektorgrafiken und damit die günstigste Möglichkeit, ein Logo sauber zu zeichnen.

„Pixlr“ läuft im Browser, ohne Installation, in einer einfachen und einer erweiterten Fassung.

Gut für den schnellen Zuschnitt zwischendurch, nicht für ernsthafte Arbeit.

„Canva“ ist streng genommen kein Grafikprogramm, sondern eine Vorlagensammlung.

Und genau deshalb für die meisten Betriebe das nützlichste Werkzeug in dieser Liste: Sie wählen ein Format, tauschen Text und Bild und sind in zehn Minuten fertig.

Die Grenze zeigt sich, sobald etwas entstehen soll, das nicht wie eine Vorlage aussieht.

Einmalkauf

„Affinity Designer“ ist die stärkste Empfehlung für alle, die kein Abonnement wollen.

Es leistet für Vektor- und Pixelarbeit praktisch dasselbe wie die teuren Programme, kostet einmalig und ist deutlich schneller zu erlernen.

„CorelDRAW“ ist ein langjähriger Vektorspezialist mit sehr guten Zeichenwerkzeugen.

Verbreitet ist es vor allem im Druck- und Beschriftungsbereich, weshalb es sich lohnt, wenn Ihre Druckerei damit arbeitet.

„Gravit Designer“ tauchte jahrelang in jeder Empfehlungsliste auf, wurde zwischenzeitlich umbenannt und anschließend eingestellt.

Wir nennen es hier nur, weil Sie es in älteren Artikeln noch überall finden, und „Inkscape“ oder „Affinity Designer“ die heute sinnvollen Alternativen dazu sind.

Abonnement

„Adobe Photoshop“ ist der Standard in der Fotobearbeitung und wird es bleiben.

Es gibt unbegrenzt Anleitungen dazu, und jeder Dienstleister kann mit den Dateien umgehen.

Der Nachteil ist das laufende Abonnement, das sich nur rechnet, wenn Sie regelmäßig damit arbeiten.

„Adobe Illustrator“ ist das Vektorprogramm derselben Familie und das Werkzeug, in dem die meisten Logos entstehen.

Wenn Sie ein Logo von einem Gestalter bekommen, kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit von hier.

Für Bildschirmgestaltung

„Sketch“ ist auf die Gestaltung von Benutzeroberflächen ausgelegt, also Websites und Anwendungen.

Eine Einschränkung, die in vielen Listen fehlt: es läuft ausschließlich auf einem Mac.

Arbeiten Sie mit Windows, ist das Programm für Sie keine Option, unabhängig von seiner Qualität.

Und eine ehrliche Einordnung zum Schluss dieses Abschnitts: die Software ist der kleinere Teil.

Abstand, Kontrast und eine begrenzte Anzahl an Schriften und Farben entscheiden über das Ergebnis, nicht das Programm.

Deshalb lohnt es sich, ein Werkzeug zu wählen und dabei zu bleiben, statt fünf auszuprobieren.

Zwei Wege führen zum Logo, und sie unterscheiden sich grundlegend.

Selbst zeichnen

Dafür brauchen Sie ein Vektorprogramm, also „Adobe Illustrator“, „Affinity Designer“ oder kostenlos „Inkscape“.

Der Weg dauert länger, liefert aber ein Logo, das Ihnen gehört und das beliebig groß skaliert.

Einen Generator nutzen

Diese Dienste stellen Fragen zu Ihrer Branche und Ihrem Geschmack und erzeugen daraus Vorschläge.

  • „Canva“ hat eine eigene Logofunktion mit vielen Vorlagen und ist der einfachste Einstieg.
  • „Looka“ erzeugt Vorschläge aus Ihren Angaben und lässt sie anschließend anpassen.
  • „Tailor Brands“ arbeitet ähnlich und liefert gleich ein ganzes Erscheinungsbild mit.
  • „DesignEvo“ bietet eine sehr große Vorlagensammlung mit vielen Schriften und Symbolen.
  • „Logomaker“ und „Logo Genie“ gehen denselben Weg über fertige Entwürfe zum Anpassen.
  • „Hatchful“ von Shopify und der Logo Maker von Squarespace waren lange die bekanntesten kostenlosen Varianten. Prüfen Sie vor der Nutzung, ob sie noch verfügbar sind, denn genau solche Gratisdienste verschwinden am häufigsten.

Generatoren sind schnell und billig.

Sie haben aber einen Nachteil, der nicht sofort auffällt: dieselben Symbolsammlungen stehen allen Nutzern zur Verfügung.

Es kann also passieren, dass ein Betrieb zwei Orte weiter fast dasselbe Zeichen verwendet.

Worauf Sie beim Logo wirklich achten müssen

Dieser Abschnitt fehlt in praktisch jeder Werkzeugliste und ist der wichtigste von allen.

Bevor Sie zahlen oder herunterladen, klären Sie drei Punkte.

  1. Bekommen Sie eine Vektordatei? Sie brauchen das Logo als SVG, EPS oder PDF, nicht nur als PNG. Ohne Vektordatei kann Ihre Druckerei kein Firmenschild, keine Fahrzeugbeschriftung und keine Arbeitskleidung herstellen, und Sie stehen ein Jahr später wieder am Anfang. Viele Generatoren geben die Vektordatei nur im teuersten Paket heraus, und genau darauf baut ihr Preismodell auf.
  2. Dürfen Sie es gewerblich nutzen? Lesen Sie die Nutzungsbedingungen. Manche kostenlose Fassungen erlauben ausdrücklich keine kommerzielle Verwendung, und eine Firmenwebsite ist kommerzielle Verwendung.
  3. Können Sie es schützen lassen? Ein Logo aus einer allgemein verfügbaren Symbolsammlung lässt sich in der Regel nicht als Marke eintragen, weil Ihnen die Rechte am Symbol nicht exklusiv gehören. Wollen Sie Ihre Marke später schützen, brauchen Sie ein eigens gezeichnetes Zeichen.

Lassen Sie sich außerdem immer eine einfarbige Fassung mitgeben, schwarz auf weiß und weiß auf dunkel.

Die brauchen Sie für Stempel, Rechnungen und dunkle Hintergründe, und niemand denkt vorher daran.

Wir sind Webdesigner und keine Rechtsanwälte, die Frage des Markenschutzes gehört deshalb zu einem Anwalt.

Projektverwaltung

Ein Projektwerkzeug soll drei Dinge leisten: festhalten, was zu tun ist, wer es tut und bis wann.

Alles darüber hinaus ist Komfort und für kleine Teams oft Ballast.

  • „Trello“. Karten auf Spalten, in fünf Minuten verstanden. Die richtige Wahl für Einzelne und kleine Teams. Die Grenze erreicht es, sobald mehrere Projekte parallel laufen und Abhängigkeiten entstehen.
  • „Asana“. Der Mittelweg. Aufgaben, Zuweisungen, Termine und Ansichten für mehrere Projekte, ohne dass man Schulungen braucht.
  • „Basecamp“. Alles in einem, mit Nachrichten, Dateien und Chat im selben Werkzeug. Stark für verteilt arbeitende Teams, die sonst zwischen fünf Programmen springen.
  • „Jira“. Für Entwicklungsteams gebaut, mit eigenen Arbeitsabläufen, Fehlerverfolgung und Auswertungen. Sehr mächtig, und für einen Betrieb mit drei Leuten überdimensioniert. Die Einrichtung selbst wird dort zum Projekt.
  • „GitHub“. Eigentlich eine Versionsverwaltung für Programmcode, mit brauchbarer Aufgabenverwaltung obendrauf. Sinnvoll, wenn dort ohnehin Ihr Code liegt, denn dann steht die Aufgabe neben der Änderung, die sie löst.

Die Auswahl richtet sich nach Ihrer Größe, nicht nach dem Funktionsumfang.

Allein oder zu zweit: „Trello“.

Drei bis zehn Personen: „Asana“ oder „Basecamp“.

Ein Entwicklungsteam mit eigenem Code: „Jira“ oder „GitHub“.

Und die unangenehme Wahrheit dazu: das beste Werkzeug scheitert daran, dass nach zwei Wochen niemand mehr etwas einträgt.

Ein einfaches Werkzeug, das benutzt wird, schlägt jedes mächtige, das leer bleibt.

E-Mail-Marketing

E-Mail hat einen Vorteil, den kein soziales Netzwerk bietet: die Adressen gehören Ihnen.

Ändert eine Plattform ihre Regeln, verlieren Sie Ihre Reichweite dort über Nacht.

Ihre Empfängerliste bleibt.

  • „Mailchimp“. Der bekannteste Anbieter, mit vielen Vorlagen und guten Auswertungen. Einfacher Einstieg, wird bei wachsender Liste aber schnell teuer.
  • „Brevo“. Hieß früher „Sendinblue“ und ist deshalb unter beiden Namen zu finden. Günstig, mit automatisierten Abläufen, SMS-Versand und Chat, und die Abrechnung erfolgt nach versendeten Nachrichten statt nach Listengröße, was bei großen Listen mit seltenem Versand einen deutlichen Unterschied macht.
  • „ActiveCampaign“. Die Stärke liegt in den Automatisierungen, also Abläufen, die auf das Verhalten der Empfänger reagieren. Sinnvoll, sobald Sie mehr versenden als einen Rundbrief.
  • „GetResponse“. Mehr als nur Versand, mit Landingpages und Webinaren im Paket. Interessant, wenn Sie diese Bausteine sonst einzeln einkaufen müssten.
  • „Constant Contact“. Einfach zu bedienen, mit vielen Anpassungsmöglichkeiten an das eigene Erscheinungsbild.

Achten Sie beim Vergleich darauf, wie abgerechnet wird.

Manche Anbieter berechnen die Anzahl der gespeicherten Adressen, andere die Anzahl der versendeten Nachrichten.

Bei einer Liste mit 5.000 Adressen und vier Versendungen im Jahr entscheidet allein dieser Unterschied über den Preis.

Was beim Newsletter in Deutschland Pflicht ist

Der Teil, der über die Werkzeugwahl hinausgeht und teuer werden kann.

  1. Bestätigte Anmeldung. Nach der Eintragung geht eine Mail mit einem Bestätigungslink raus, und erst mit diesem Klick ist die Anmeldung wirksam. Ohne dieses Verfahren können Sie im Streitfall nicht nachweisen, dass der Empfänger sich selbst eingetragen hat.
  2. Abmeldemöglichkeit in jeder Nachricht. Ein Link, der ohne Anmeldung und ohne Rückfrage funktioniert.
  3. Anbieterkennzeichnung. Ihre vollständigen Angaben gehören in jede Nachricht, genau wie im Impressum Ihrer Website.
  4. Keine Werbung ohne Einwilligung. Wer Ihnen eine Projektanfrage schickt, hat damit nicht in einen Newsletter eingewilligt. Diese Adressen dürfen Sie nicht in Ihren Verteiler übernehmen.
  5. Datenverarbeitung benennen. Der eingesetzte Anbieter gehört in Ihre Datenschutzerklärung, und bei Anbietern außerhalb der EU auch der Hinweis auf die Übermittlung.

Was passiert konkret, wenn das fehlt?

Unaufgeforderte Werbemails sind ein klassischer Abmahnungsgrund, und eine einzige Beschwerde genügt dafür.

Die gute Nachricht: alle oben genannten Anbieter beherrschen das bestätigte Anmeldeverfahren und den Abmeldelink.

Sie müssen es nur einschalten, und bei manchen ist es nicht voreingestellt.

Fazit

Für Grafik: „Canva“ für den Alltag, „Affinity Designer“ wenn es ernst wird, „GIMP“ und „Inkscape“ wenn es nichts kosten darf.

Für das Logo zählt weniger das Werkzeug als die Frage, ob Sie am Ende eine Vektordatei und die Rechte zur gewerblichen Nutzung in der Hand halten.

Für Projekte wählen Sie nach Teamgröße, nicht nach Funktionsumfang.

Und beim Newsletter entscheidet nicht die Plattform, sondern das bestätigte Anmeldeverfahren.

Sollten Sie bei einem dieser Werkzeuge feststellen, dass es nicht mehr angeboten wird, suchen Sie nicht nach dem Nachfolger desselben Anbieters.

Prüfen Sie stattdessen, welche Dateiformate Sie exportieren können, denn das entscheidet darüber, ob Sie Ihre Arbeit mitnehmen können!